Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

22/12/2011

Copyright: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, als Menschen dieser zunehmend sowohl in Freud als auch in Leid geeinten Welt, begehen wir alle Fehler.

Viele von uns stehen dazu. Manche früher, manche später.

Und dann gibt es Christian “Es tut mir leid” Wulff.

Man mag es freiherrlich nennen, wie der Noch-Bundespräsident darüber hinweg schweigt, dass er möglicherweise den niedersächsischen Landtag getäuscht hat. Auch unklug und unsensibel.

Aber nun ist ja bald Weihnachten, das Fest der Ruhe und Besinnlichkeit. Daher, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, möchte ich vorschlagen, Christian Wulff seine kleinbürgerliche Abgeschiedenheit in großbürgerlichem Ambiente irgendwo in den USA, Italien, in Spanien oder auf Norderney zu gönnen. Entbinden wir ihn von der unsäglichen Pflicht, einem Volk von Vollzinszahlern im Gouvernantenton von Demut, Anstand und Aufrichtigkeit erzählen zu müssen.

Ja, werden manchen von Ihnen sagen, das ist eine gute Idee. Aber wer soll denn dann die Weihnachtsansprache halten? Etwa Horst Seehofer? Kann der überhaupt Hochdeutsch?

Nein, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, so verzweifelt sind wir trotz Eurokrise, FDP-Auflösung und der verpassten Titelverteidigung der Fußballnationalfrauschaft nun doch nicht. In schweren Zeiten wie dieser muss ein jeder für sein Land das tun, was er am besten kann. Herr Rösler und Frau Schröder tun daher nichts, während ich, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Weihnachtsansprache halten werde. Mit tadelloser Frisur, aufrechter Haltung und ernsthafter Überzeugung werde ich Ihnen mahnende, aber auch aufmunternde Worte sagen, die sich wie Baldrian über Ihre Sorgen legen und am nächsten Tage schon vergessen sein werden. Worte über den Zustand unserer Demokratie, unserer Politik, unserer Wirtschaft, unseres Miteinanders.

Ich werde sagen, dass Politik die Menschen nicht nur mitnehmen muss, sondern sich von ihnen auch mitnehmen lassen müsse. Ich werde so tun als hätte ich von Finanzwirtschaft Ahnung und irgendwas zum Vertrauen sagen, dass nicht nur die Märkte in uns, sondern auch wir in uns selbst haben müssen. Und ich werde eine integrative Ansprache halten, die sich auch zu den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden kulturellen und religiösen Minderheiten bekennen wird. Ja, ich werde verkünden, dass auch der Jediismus Teil unserer Nation, unserer Kultur, unserer Kulturnation ist.

Und dann werde ich Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger – ob jung oder alt, klein oder groß, hoch- oder niedrigverzinst, ob aus Hannover oder Osnabrück – ein besinnliches und ein zukunftsfrohes Weihnachtsfest wünschen.

Auch Ihnen, Christian Wulff.

Aber verzeihen Sie mir, wenn ich dabei die Mundwinkel zu einem leichten Grinsen verziehe. Noch nicht so geübt in der Kunst der öffentlichen Täuschung ich bin.

Eine Antwort zu “Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,”

  1. [...] Feiertage, ein zukunftsfrohes Neujahr, einen schlagzeilenlosen Januar haben können. Und ich hätte eine beschwingte Weihnachtsansprache halten dürfen, auf die ich mich so schon intensiv vorbereitet …. Aber Sie mussten mir ja alles vermasseln. Sind einfach im Schloss [...]

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