Ich bin beleidigt, Herr Wulff.
03/01/2012
Es hätte so schön sein können, Herr Wulff. Sie hätten beschauliche Feiertage, ein zukunftsfrohes Neujahr, einen schlagzeilenlosen Januar haben können. Und ich hätte eine beschwingte Weihnachtsansprache halten dürfen, auf die ich mich so schon intensiv vorbereitet hatte. Aber Sie mussten mir ja alles vermasseln. Sind einfach im Schloss geblieben.
Und wofür?
Dafür, dass Sie eine Woche später zurücktreten.
Also für nüscht.
Von Kuweit aus, wo Sie die Presse- und Meinungsfreiheit als “beste Grundlage für erfolgreiche gesellschaftliche Entwicklung” bezeichnet hatten, riefen Sie im Dezember Ihren alten Freund Herrn Diekmann von der BILD-Zeitung an und erzählten ihm, – knapp gesagt – dass er einen kleinen italienischen Fluss überquert habe. Später hatten Sie wohl auch noch Mathias Döpfner und Friede Springer am Hörer.
Das war relativ ziemlich ungeschickt von Ihnen. Die SZ denkt nun, dass Amt sei “zu groß” und Sie bloß ein “Landrat von Osnabrück”, die Zeit verabschiedet Sie mit “Das war’s“, die vorsichtigen Menschen von der Tagesschau halten Sie für “merkwürdig“, der Spiegel attestiert Ihnen Kontrollverlust, “von allen guten Geistern verlassen” wähnt sie die FAZ, die taz befand schon einen Tag vorher, sie hätten Ihren “Kredit verspielt“, DerWesten will das Amt gar vor seinem Inhaber beschützen und die Frankfurter Rundschau bemisst: “Dieser Präsident ist zu klein für sein Amt.”
Mit anderen Worten: Sie haben vollkommen sinnlos und zu unser beider Nachteil eine ganze Woche lang dieses schöne Schloss okkupiert, in dem ich so gerne meine Weihnachtsansprache gehalten hätte und werden wohl trotzdem morgen oder übermorgen ins mittlerweile normal verzinste Eigenheim zurückziehen müssen. Das werde ich Ihnen nicht verzeihen, Herr Wulff.
