Ein netter Artikel von Kurt Kister auf sueddeutsche.de über die Gegenwart der Nostalgie ließ mich gerade augenblicklich an jene wundervolle Szene aus Mad Men (Staffel 1, Episode 13: “The Wheel”) denken, in der Don Draper sein Marketing-Konzept für Kodaks (mittlerweile eingestellte, aber für Liebhaber immer noch erhältliche) Diaprojektor-Reihe “Carousel” vorstellt und dabei eine subtile Reflexion auf die (auch in diesen Bildern permanent mit hegemonialer Männlichkeit assoziierten) Nostalgie-Ästhetik der Serie liefert, die sich vielleicht sogar zu einer Affekttheorie des Fernsehens ausweiten ließe: “It lets you travel the way a child travels. Around and around, and back home again.”

Während des Wartens auf das neue Radiohead-Album, an dem die Band seit ein paar Monaten werkelt, gibt es als Appetizer zum einen schon mal von Thom Yorke performte Solo-Versionen einiger großartiger Tracks wie “Skirting on the Surface” und “The Present Tense“, die es hoffentlich auf die neue Platte schaffen sollten. Dass sich zum anderen aber auch aus älteren Stücken immer wieder etwas Neues gewinnen lässt, beweist das Video, mit dem UNICEF für seine Kampagne “Put it right” mein “In Rainbows”-Lieblingsstück “Videotape” bebildert:

(Mit “All I need” wurde bereits für die MTV Exit Campaign ein “In Rainbows”-Track für ähnliche Zwecke lizensiert.)

Für aktuelle Radiohead-Infos und regelmäßige auditive wie visuelle Schmankerl aus der frisurtechnisch desaströsen Vergangenheit der Band sei übrigens der “Green Plastic“-Blog empfohlen.

Update: Von dem ebenfalls sehr aufschlussreichen Radiohead-Blog ateaseweb.com, habe ich übrigens gelernt, dass der ähnlich klingende “In Rainbows”-Bonustrack “MK1″ bereits im vergangenen Jahr für eine US-Obdachlosenhilfe-Kampagne genutzt und besagtes “Videotape” daraufhin der britischen Organisation “Shelter” ‘gespendet‘ wurde. Das Resultat ist optisch ebenfalls durchaus ansprechend:

Serien: Das Ende des Abendlands?

“Denn eine unterhaltsame Serie handelt von Menschen, die mit ihrer eigenen Serialisierung, mit der Ersetzung des Subjekts durch die Struktur, nur höchst unvollkommen zurechtkommen”, schreibt Georg Seeßlen in der aktuellen Spex, die sich auf durchaus originelle Art und Weise des gegenwärtigen Serien-Booms annimmt. Während Seeßlen in seiner Lobpreisung der Avantgarde-Serie Twin Peaks (“ein umfassender Kanon des Verrückt-Seins”) dabei manchmal in philosophischen Ästhetizismus verfällt, der mir auch David Lynch nicht ganz gerecht zu werden scheint (“Jedenfalls schien mit ‘Twin Peaks’ für eine kurze Zeit die Utopie auf, mit der Repräsentation auch das christliche Abendland und sein Narrativ zu überwinden”), überzeugt vor allem das Drei-in-Eins-Interview mit Drehbuchautor Orkun Ertener, Produzentin Kathrin Bullemer und dem Serienjunkies.de-Redakteur Christian Junklewitz über die Probleme der deutschen Serienlandschaft. Wibke Wetzker und Gerhard Maier fassen auf engem Raum durchaus ansprechend die (nicht aller-)neuesten Entwicklungen auf dem Serienmarkt in den USA sowie dem Nahen Osten zusammen, wohingegen Barbara Schweizerhofs Text über Lost gerademal dem durchschnittlichen Niveau der sechsten Staffel der Kult-Serie entspricht.

Mad Woman

Geschrieben hat auch Mad Men-Darstellerin Christina Hendricks. Und zwar einen “Brief an Männer”, der davon zeugt, dass sich die Schauspielerin vielleicht ein wenig zu sehr mit ihrer Figur als Sekretärinnen-Ikone ‘Joan’ identifiziert. Denn Männer mag Hendricks anscheinend wirklich im Don Draper-Stil: Scotch trinkend. Immer hat sie es damit heute unter der Überschrift “Was Frauen von Männern wollen” auf die Titelseite der österreichischen Gratiszeitung “heute” geschafft, der nicht erst seit der Aschewolke der Intellekt ein wenig vernebelt wurde. Das Originalinterview findet sich übrigens im “Esquire“.

Was Bill wohl dazu sagen würde?

Da das neue und bislang nicht sonderlich überzeugende und für meinen Geschmack zu Jazz-lastige HBO-Drama “Treme” (das sich offenbar die berühmte Spike Lee-Doku “When the levees broke” über die Aus- und Nachwirkungen von Hurricane Katrina in New Orleans zum Vorbild genommen hat) nun auf dem Sendeplatz des grandiosen “How to make it in America”, dessen erste Staffel leider schon nach wenigen Episoden wieder vorbei war,  läuft und die neuen Staffeln von “In Treatment” und “True Blood” noch auf sich warten lassen, muss man nun wohl schon ins Kino gehen, um Serienschauspieler zu Gesicht zu bekommen. Neben Emilie de Ravin (‘Claire’ in Lost), die bekanntermaßen derzeit an der Seite Robert Pattinsons in “Remember Me” zu sehen ist, darf sich nun auch Amanda Seyfried (als Polygamisten-Tochter ‘Sarah Hendrickson’ aus dem entzückenden Big Love bekannt) in der – nicht gerade mormonischen Moralvorstellungen entsprechenden – Rolle als Callgirl im Erotik-Thriller “Chloe” an der Seite von Julianne Moore und Liam Neeson ausprobieren. Wenn Bill das wüsste…

Kleine, halbstündige Einakter, der posturbane Charme der Tri-State-Area, die heterogenen Lebenslagen des milieuübergreifenden Prekariats (“guys from the neighborhood who haven’t left the neighborhood”, [New York Times]), gepaart mit der schön-verzweifelten Offenbarungs-Ästhetik von Facebook-Postings: Das ist “How to make it in America”, jüngstes Kind der HBO-Drama-Familie. Sofern man dies nach zwei Episoden behaupten darf : uneingeschränkt sehenswert!

Flights on Earth

10/12/2009

Als ich gestern die Pilotfolge von der als LOST-Nachfolger hochgemarkteten ABC-Serie FlashForward anschaute, musste ich bei der Information, dass während des 137 sekündigen Blackouts der Weltbevölkerung allein in den USA 877 Flugzeuge abgestürzt seien, doch etwas stutzen. Denn dank Autopilot schadet ein 2-Minuten-Nickerchen im Cockpit eigentlich keiner Maschine, die tatsächlich in der Luft ist. Bei Starts und Landungen sind geflashforwardete Piloten freilich schon ein kleines Problem. Es müssten jedoch schon reichlich viele Flieger in der Luft (respektive bei Start und Landung) sein, um eine solch enorme Anzahl an Abstürzen zu legitimieren.

Während WolframAlpha mir meine Frage nach der Anzahl der weltweit momentan in der Luft befindlichen Flugzeuge  - in verschiedensten Variationen formuliert –  nicht beantworten kann, liefert FlightAware zumindest ein Live-Tracking Ergebnis für die USA: Demzufolge sind derzeit (10.12.09, 7:20AM EST – also noch nicht mal zur Rush-Hour oder wie man das im Flugverkehr nennen mag) 2337 Flugzeuge im nordamerikanischen Luftraum unterwegs. Dass jetzt ein Drittel davon abstürzt, wenn die Piloten zwei Minuten lang ihren Facebook-Status checken, halte ich zwar für unwahrscheinlich, aber bei Bewusstlosigkeit könnten natürlich irgendwelche wichtigen Selbstzerstörungstasten und -knöpfe aus Versehen berührt werden. Also meinetwegen.

Geschrieben wurde dieser Post aber eigentlich aufgrund eines Simulations-Videos der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaft, auf welches ich bei der Recherche zufällig stieß und das für die Dauer eines Tages die Flugbewegungen auf der ganzen Welt visualisiert. Die Erde wird dabei zu einer Art Lavalampe, in der die großen Ballungszentren (USA, Europa, Süd-Ost-Asien) einerseits höchstverdichtete Räume permanenten, um sich kreisenden, nachts rasch, jedoch nur kurz versiegenden Selbst-Austauschs darstellen, andererseits aber fortdauernd kleine amorphe Schwärme empfangen und abstoßen, so dass der Weltinnenraum der Bewegung gewissermaßen einem beständig sich modulierenden Feld elektromagnetischer Kräfte gleicht. (Es wäre spannend diese Simulation mal mit einer Visualisierung der weltweiten Datenströme binnen 24 Stunden zu vergleichen.)

[Anmerkung: Jeder gelbe Lichtpunkt repräsentiert dabei ein Passagierflugzeug mit mindestens 100 Passagieren.]

Filmemacher Alexander Lehmann visualisiert, analysiert und ironisiert das medienpolitische Konzept der Internetsperren:

(www.rettedeinefreiheit.de)

Blick nach Links

16/08/2009

Wer nach einem österreichischen Pendant zum Bildblog sucht: Medienschelte.at listet auf amüsant-erschütternde Art aus Recherchierunlust und pseudo-jounalistischer Erfindungsgabe entstandene Irrtümer von Kronen Zeitung und ÖSTERREICH auf.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 28 other followers