Wenn Journalisten ihr eigenes Blatt lesen, ist das prinzipiell von Vorteil. Zu verstehen, was darin geschrieben steht, wäre allerdings noch besser.

So legt Spiegel Online jetzt im – durch eine dubiose Interviewstrategie provozierten – Disput um die Aussagen von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zum Feminismus nach und sieht gleich eine ganze Front von Politikerinnen im “Emanzipations-Kampf gegen Schröder” heranmarschieren. Die Position der CDU-Politikerin wird dabei als Kritik an der Idee beschrieben, “dass die Frauenrolle nicht allein biologisch determiniert ist, sondern auch eine gesellschaftliche Konstruktion. Dies ist eine zentrale feministische Position, die inzwischen zum gesellschaftlichen Mainstream gehört.”

Mal davon abgesehen, dass die Zugehörigkeit zum vorherrschenden Meinungsbild ein überaus nichtssagendes Kriterium zur Skandalisierungslegitimation darstellt und ebenfalls davon, dass auch in diesem Satz eine Art monolithische Frauenbewegung konstruiert wird, als deren unbewegte Bewegerin “Ur-Feministin” (SpOn) Alice Schwarzer ausgegeben wird  (die “Mädchenmannschaft” hat auf diesen blinden Fleck der Feminismus-Debatte nachdrücklich hingewiesen) – die SpOn-Paraphrase des Spiegel-Interviews ist schlichtweg falsch.

Denn die Schlussfolgerung aus der SpOn-Wiedergabe müsste ja sein, dass die Bundesministerin jeglichen gesellschaftlichen Anteil an der Konstruktion von Weiblichkeit (im Sinne einer auch schon wieder angestaubten Anlage-Umwelt-Debatte) abstritte und somit einen – in der Tat fragwürdigen – Biologismus propagierte. Was Kristina Schröder in dem Interview behauptet, liest sich jedoch so: “Dass das Geschlecht nichts mit Biologie zu tun hat, sondern nur von der Umwelt geschaffen wird - das hat mich schon als Schülerin nicht überzeugt.”

Aus “sondern nur” macht SpOn also kurzerhand “sondern auch” und verleiht einer das Extreme meidenden, ministerial-diffusen Sowohl-Als-Auch-Stellungnahme damit eine Entweder-Oder-Radikalität, die prächtig in die Eskalationslogik des niveauarmen Disputs passt, mit dem Interview, das die Print-Kollegen des Spiegels geführt haben, jedoch überhaupt nichts mehr zu tun hat.

Diffus, nicht radikal: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (Foto: bmfsj/Laurence Chaperon)

Update 9/11/10, 11:28 Uhr: RP Online schafft es, das Diskussionsniveau noch tiefer zu legen.

Wenn ich ein Verbrecher wäre, ich würde mich anziehen wie Peter Scholl-Latour.

Das nur mal vorweg.

Der Publizist und “Islam-Experte”-Bauchbindenträger, der dafür bekannt ist, mal bekannt geworden zu sein, saß gestern in meinem Fernsehapparat herum und versuchte sich mit Sandra Maischberger und einigen anderen komischen Menschen über ein hübsches Themen-Potpourri zu unterhalten, das offensichtlich seinen Weg direkt von einer Islam-Tagcloud der letzten 9 Jahre ins redaktionelle Notizbuch gefunden und sich in einem noch hübscheren (Achtung: Alliteration!)  Sendungstitel verdichtet hat: “Kopftuch und Koran – hat Deutschland kapituliert?”

Von Koran-Verbrennung über Terrorismus und Gleichberechtigung bis hin zu Ehrenmord waren eigentlich alle Themen dabei, die man ohnehin schon nicht mehr hören kann. Man kann den Studiogästen nur zugute halten, dass sie wenigstens ansatzweise versuchten, das Konzept zu hinterfragen, Maischberger parierte solche Attacken kapitulationsunwillig jedoch mit der Standardabwehr einer jeden Talkshowmoderatorin: “Dann könnten wir ja gar keine Sendung mehr machen.” Richtig. Weil es das Medium gibt, muss es das Medium geben. Besser könnte man die interne Funktionslogik (und das journalistische Selbstverständnis) der Talkshow nicht zusammenfassen. Dass darüberhinaus die Außenseite der Funktionslogik – die ritualisierte repräsentative Darstellung von gesellschaftlichen Diskursen (nicht zu verwechseln mit argumentationsbasierten Diskussionen) – vergessen wurde? Wen kümmert’s! Wenn die ARD-Redaktion entscheidet, dass alle Facetten eines bestimmten Diskurses zu einer Sendung amalgamiert werden können, dann hat sich der Diskurs gefälligst danach zu richten. Einen Kritikpunkt hätte ich diesbezüglich allerdings: Es wurde kein einziges Mal über die legitime Höhe von Minaretten gestritten. Shame on you, ARD!

Da die Debatte um “Ehrenmorde” und die vermeintliche Gefahr einer “Islamisierung” Deutschlands/der westlichen Welt/des Abendlandes/whatever nicht über Betroffenheitsrhetorik und die Verteidigung von Partikularinteressen der verschiedenen Interessensvertreter hinauskam, leitete Maischberger über zum “Geht immer”-Topic in der Islam-Debatte: Kopftuch und Burka. Wenn es diese sichtbaren Zeichen religiöser Praxis nicht gäbe, Islamophobe würden sie wohl erfinden, weil es ja nicht angeht, dass “die” genauso rumlaufen wie “wir”. Im Kopfttuchstreit ist man als “Journalist” von daher immer auf der sicheren Seite: Sobald es um den Stoff am Körper geht, bekommen alle Ressentiments eine geradezu haptische Qualität.

Sandra Maischberger – stets um die interne Funktionslogik besorgt – begründete prompt die Spezifität des Kopftuchs (es ging gerade darum, ob irgendwas irgendwo irgendwie verboten werden sollte) auch damit, dass “ich damit ja nicht geboren” sei. Eine Absurdität, die der in der paradoxen Rolle des aufgeklärten Radikalen geladene Pierre Vogel noch mit dem Konter überbot: “Ich mit der Hose auch nicht.” (Was zum Glück keine Überleitung zu einem Softporno war – sowas ist der ARD dann doch zu unverschleiert.)

Richtig lustig wurde es aber erst als Jürgen Fliege zum Thema “Burka” das Wort ergriff und im unverwechselbaren Stil des TV-Therapeuten-Pfarrers das Kleidungsstück als kommunikative De-Integration deutete: “Ich verstehe, du willst nicht mit mir reden.” Genau. Bevor ich mich von Leuten wie Jürgen Fliege vollkommunizieren lassen muss, würde ich auch lieber eine Burka tragen. In einem Land, in dem tausende Spießbürger Google verbieten lassen wollen, Fotos ihrer Häuser ins Internet zu stellen, die ohnehin schon dort stehen und die darüberhinaus jedermann nach Lust und Laune ebenfalls aufnehmen und veröffentlichen könnte, fordert jemand allen Ernstes, dass man überall und jederzeit allen anderen durch textile Freizügigkeit seine “Gefühlslage” offenbaren soll.  Super. Sonnenbrillenträger, Hand-vor-die-Augen-Halter, Pony-in-der-Stirn-Träger, Hut-, Kapuzen-, Helm- und Mützenliebhaber und Bei-Regen-Regenschirm-Haltende: Integriert euch gefälligst! Sonst seid ihr selber schuld, wenn ich euch nicht mag. Fliege: “Darüber müssen wir reden.” Aber nicht mit mir.

Nachdem schließlich auch noch Buchseitenvollschreiber Udo Ulfkotte – was ich für einen Künstlername halte, der zur Verschleierung seiner wahren kommunikativen Intention dient – seinen unsinnigen Unfug verbreitet hatte, sinnierte schließlich – um der anbrechenden Nacht den Rest zu geben – Peter Scholl-Latour noch über mögliche Gründe für ein Burka-Verbot. Was ihm einfiel: Da könnte sich ja auch ein Mann, oder schlimmer noch: ein Verbrecher drunter verstecken. Genau. Wenn ich ein Verbrecher wäre, ich würde mir garantiert eines der auffälligsten Kleidungsstücke dieses Landes aussuchen, um mich zu, ähm, “tarnen”. Zumal man Kriminelle ja ansonsten stets an ihrem Äußeren erkennen kann, gell?

Und wenn ich mich damit nicht kommunikativ ent-integrieren würde, hätte ich mir in dem Moment tatsächlich die Hand vor den Kopf geschlagen.

Basierend auf den Nielsen-Ratings, die freundliche Menschen in der Wikipedia übersichtlich notiert haben, habe ich mal aus Neugier den Quotenverlauf einiger US-Serien zusammen in ein Diagramm gepackt. Um die Daten vergleichbar zu machen, habe ich den jeweiligen “peek”, also den absoluten Spitzenwert einer Serie (bezogen auf den Mittelwert aller Episoden einer Staffel) als Wert ’100′ gesetzt und dann die restlichen Werte der jeweiligen Serie dazu (auf der Y-Achse) in Relation gesetzt.

Das Diagramm sagt also nichts über die absoluten Quoten aus, sondern stellt lediglich die relative Quotenentwicklung einiger Serien zusammen. Da die Werte auf der X-Achse keine kalendarische, sondern nur die fernsehspezifische Zeitlichkeit von “Staffeln” wiedergeben, sollte man beim Vergleichen der Serien untereinander jedoch vorsichtig sein.

Einige Einschränkung bezüglich der Nielsen-Ratings sollte man in Zeiten von DVR, P2P, Hulu, etc natürlich auch noch machen, aber das kann auch andernorts nachgelesen werden.
Relativer Verlauf der Quoten von US-Serien in den USA

Ein netter Artikel von Kurt Kister auf sueddeutsche.de über die Gegenwart der Nostalgie ließ mich gerade augenblicklich an jene wundervolle Szene aus Mad Men (Staffel 1, Episode 13: “The Wheel”) denken, in der Don Draper sein Marketing-Konzept für Kodaks (mittlerweile eingestellte, aber für Liebhaber immer noch erhältliche) Diaprojektor-Reihe “Carousel” vorstellt und dabei eine subtile Reflexion auf die (auch in diesen Bildern permanent mit hegemonialer Männlichkeit assoziierten) Nostalgie-Ästhetik der Serie liefert, die sich vielleicht sogar zu einer Affekttheorie des Fernsehens ausweiten ließe: “It lets you travel the way a child travels. Around and around, and back home again.”

Während des Wartens auf das neue Radiohead-Album, an dem die Band seit ein paar Monaten werkelt, gibt es als Appetizer zum einen schon mal von Thom Yorke performte Solo-Versionen einiger großartiger Tracks wie “Skirting on the Surface” und “The Present Tense“, die es hoffentlich auf die neue Platte schaffen sollten. Dass sich zum anderen aber auch aus älteren Stücken immer wieder etwas Neues gewinnen lässt, beweist das Video, mit dem UNICEF für seine Kampagne “Put it right” mein “In Rainbows”-Lieblingsstück “Videotape” bebildert:

(Mit “All I need” wurde bereits für die MTV Exit Campaign ein “In Rainbows”-Track für ähnliche Zwecke lizensiert.)

Für aktuelle Radiohead-Infos und regelmäßige auditive wie visuelle Schmankerl aus der frisurtechnisch desaströsen Vergangenheit der Band sei übrigens der “Green Plastic“-Blog empfohlen.

Update: Von dem ebenfalls sehr aufschlussreichen Radiohead-Blog ateaseweb.com, habe ich übrigens gelernt, dass der ähnlich klingende “In Rainbows”-Bonustrack “MK1″ bereits im vergangenen Jahr für eine US-Obdachlosenhilfe-Kampagne genutzt und besagtes “Videotape” daraufhin der britischen Organisation “Shelter” ‘gespendet‘ wurde. Das Resultat ist optisch ebenfalls durchaus ansprechend:

Das war Mist.

Was als Finale der sich letztendlich in unerträglicher Art und Weise selbststilisierenden und selbsthistorisierenden Serie LOST aus Damon Lindelofs und Carlton Cuse’s Federn geflossen ist, war bestenfalls enttäuschend. Nonsinnig würde jedoch besser passen.

Gewiss: Nach der teils brachial aufs baldige Ende zustrebenden Erzählweise der letzten Staffel mit ihrer teils an Lächerlichkeit stoßender melodramatischer Mystik, die all den selbstironischen Witz, den vorsichtigen, tastenden Erzähl-Gestus und die Abruptheit der Überraschungseffekte vermissen ließ, welche die Serie in ihren besten Momenten auszeichneten, hatte wohl niemand mit einem befriedigenden Finale gerechnet, das den Anspruch einer “reasonable explanation” aller Ereignisse auf wie abseits der Insel und einer allegorischen Pointe erfüllen könnte. Doch wie weit die Serie am Ende noch die Minimalerwartung unterschritten hat, ist schon bemerkenswert. Da lässt Regisseur Jack Bender beispielsweise im Showdown zwischen Jack alias Jacob-sein-Nachfolger und dem ManInBlack alias Smokey alias Jacob-sein-toter-Bruder-der-aussieht-wie-der-ebenfalls-tote-John-Locke ersteren mit erhobener Faust von einer Klippe auf letzteren zuspringen als gelte es, eine Version von Matrix zu drehen, die noch peinlicher als das Original wäre. Ein Glück, dass die ungewollt parodistische Szene dank ungelenkem Drehbuch auch bald wieder vorbei ist. Dass natürlich Jack überlebt, scheint zunächst ungemein wichtig, wäre – retrospektiv betrachtet – (wie eigentlich so ziemlich alles) aber andernfalls auch egal gewesen.

Denn ob die Zerstörung der Insel, das Entkorken des Höllenportals und die Migration von Fake-Locke in den Rest der Welt in irgendeiner Form fatal gewesen wären, erfährt man schlicht und einfach nicht. Die Relation von Insel zu Rest-Welt bleibt vollkommen ungeklärt. Stattdessen inszeniert die Serie auf nur gelegentlich anrührende (Sawyer und Juliet), zumeist aber erbärmlich pathetische Weise, vor allem aber in kitschiger Redundanz den Flash-Sideways-Strang als quasi-himmlischen Ort kollektiv-mentaler Schaffungskraft, der letztlich alle Losties in einer Kirche zusammenführt, wo der nicht gerade subtil benannte und vor einem, die Symbole der Weltreligionen versammelnden, Kirchenfenster posierende Christian Shephard im Stile psychologischer Ratgeberliteratur vor sich hin brabbelt, dass dieser Flash-Sideways eine Art Nachleben darstellt, welches die Losties (freilich nicht alle, sondern nur die wichtigen – der Rest, inkl. Walt und Michael ist Gott-weiß-wo) IRGENDWIE geschaffen haben, “to move on”. Nach LOST kommt also logischerweise FOUND. Wie das so genau vonstatten gegangen sein soll, ist ja auch nicht so wichtig. (Merke: Der sicherste Weg, die Liebsten nach dem Tod wiederzusehen, besteht darin, eine Wasserstoffbombe über einer starken elektromagnetischen Quelle explodieren zu lassen.)

Lost endet also mit der Botschaft einer Akzeptanz der Sterblichkeit, die durch die Ewigkeit kollektiver Bewusstseinsorte aber gleichsam wieder zurückgenommen ist sowie mit einer überaus konventionellen Schlusssequenz, die den gesamten (naja: fast den gesamten) Cast versammelt. Spätestens wenn sich dann alle ganz doll lieb haben und herzen und ganz feste drücken und Christian erklärt, dass sie alle hier versammelt, weil – ungeachtet der Möglichkeit, dass einige außerhalb der Insel noch weitergelebt haben mögen – die Zeit auf der Insel, das Beste aus ihnen hervorgebracht habe, wartet man nur noch darauf, dass jetzt alle zu “I’ve had the time of my life” einstimmen, sich an alten Anekdoten ergötzen und schließlich aus Langeweile irgendwelche pubertären Saufspiele spielen. Denn der Quasi-Himmel von LOST ist nicht mehr als ein ewiges Klassentreffen, das gerade die Suspendierung und Konservierung jener unbarmherzigen Zeit herbeiführt, die sich auf der Insel noch zu einem wirren Knäuel aus Protentionen und Retentionen verschleift hatte.

Das war also Mist. (Man bemerke die subtile Anspielung auf den Beginn dieses Posts.)

Das einzig Positive an diesem Ende hat ein Kommentar von “Mr.$tuart” auf lostblog.net festgehalten:

“This ending does leave open a spin off for a Sawyer and Miles cop show.”

Serien: Das Ende des Abendlands?

“Denn eine unterhaltsame Serie handelt von Menschen, die mit ihrer eigenen Serialisierung, mit der Ersetzung des Subjekts durch die Struktur, nur höchst unvollkommen zurechtkommen”, schreibt Georg Seeßlen in der aktuellen Spex, die sich auf durchaus originelle Art und Weise des gegenwärtigen Serien-Booms annimmt. Während Seeßlen in seiner Lobpreisung der Avantgarde-Serie Twin Peaks (“ein umfassender Kanon des Verrückt-Seins”) dabei manchmal in philosophischen Ästhetizismus verfällt, der mir auch David Lynch nicht ganz gerecht zu werden scheint (“Jedenfalls schien mit ‘Twin Peaks’ für eine kurze Zeit die Utopie auf, mit der Repräsentation auch das christliche Abendland und sein Narrativ zu überwinden”), überzeugt vor allem das Drei-in-Eins-Interview mit Drehbuchautor Orkun Ertener, Produzentin Kathrin Bullemer und dem Serienjunkies.de-Redakteur Christian Junklewitz über die Probleme der deutschen Serienlandschaft. Wibke Wetzker und Gerhard Maier fassen auf engem Raum durchaus ansprechend die (nicht aller-)neuesten Entwicklungen auf dem Serienmarkt in den USA sowie dem Nahen Osten zusammen, wohingegen Barbara Schweizerhofs Text über Lost gerademal dem durchschnittlichen Niveau der sechsten Staffel der Kult-Serie entspricht.

Mad Woman

Geschrieben hat auch Mad Men-Darstellerin Christina Hendricks. Und zwar einen “Brief an Männer”, der davon zeugt, dass sich die Schauspielerin vielleicht ein wenig zu sehr mit ihrer Figur als Sekretärinnen-Ikone ‘Joan’ identifiziert. Denn Männer mag Hendricks anscheinend wirklich im Don Draper-Stil: Scotch trinkend. Immer hat sie es damit heute unter der Überschrift “Was Frauen von Männern wollen” auf die Titelseite der österreichischen Gratiszeitung “heute” geschafft, der nicht erst seit der Aschewolke der Intellekt ein wenig vernebelt wurde. Das Originalinterview findet sich übrigens im “Esquire“.

Was Bill wohl dazu sagen würde?

Da das neue und bislang nicht sonderlich überzeugende und für meinen Geschmack zu Jazz-lastige HBO-Drama “Treme” (das sich offenbar die berühmte Spike Lee-Doku “When the levees broke” über die Aus- und Nachwirkungen von Hurricane Katrina in New Orleans zum Vorbild genommen hat) nun auf dem Sendeplatz des grandiosen “How to make it in America”, dessen erste Staffel leider schon nach wenigen Episoden wieder vorbei war,  läuft und die neuen Staffeln von “In Treatment” und “True Blood” noch auf sich warten lassen, muss man nun wohl schon ins Kino gehen, um Serienschauspieler zu Gesicht zu bekommen. Neben Emilie de Ravin (‘Claire’ in Lost), die bekanntermaßen derzeit an der Seite Robert Pattinsons in “Remember Me” zu sehen ist, darf sich nun auch Amanda Seyfried (als Polygamisten-Tochter ‘Sarah Hendrickson’ aus dem entzückenden Big Love bekannt) in der – nicht gerade mormonischen Moralvorstellungen entsprechenden – Rolle als Callgirl im Erotik-Thriller “Chloe” an der Seite von Julianne Moore und Liam Neeson ausprobieren. Wenn Bill das wüsste…

Die isländische Aschewolke wirbelt die Weltpolitik immer heftiger durcheinander: Weil das Flugverbot über Zentraleuropa noch bis mindestens heute Abend aufrechterhalten wird, droht nun sogar der Schweiz die Auflösung. Andernorts feiert man jedoch erste Erfolge in den kriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit dem vulkanischen Rauch.

Berlin, Montag, 10 Uhr: Die neu eingesetzte Aschewolken-Taskforce der Bundesregierung kann erste Ergebnisse vorweisen. Der Beauftragte für Sprachpolitik der Kommission, Edmund Stoiber, trat heute vor die Presse, um zu verkünden, dass die eingereichten Vorschläge der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zur Vereinheitlichung des Vokabulars in der Berichterstattung über die Folgen des Vulkanausbruchs (wir berichteten) in fraktionsübergreifendem Konsens angenommen wurden. Stoiber: “Wir, äh – also die Bundesregierung – zu der ich ja nicht gehöre – also wir ohne, äh, ich haben, meine Damen und Herren, uns darauf verständigt, dass diese, äh, Problemwörter in Zukunft nicht mehr unbedingt notwendig sein sollen und müssen. Deshalb haben wir die, äh, Vorschläge der Gemein…, äh der Gesellschaft für die, äh, Sprache, deutsche Sprache, also die Vorschläge der Damen und Herren aus der Wissenschaft … (?) [Anm. d. Red.] Wir haben also diese Ratschläge beratschlagt und für hinrichtend, äh hinreichend befunden, um sie als nicht unsinnig einzustufen und Sanktionen zu verhängen gegen diejenigen, die, äh, sich in Zukunft und auch heute, aber vor allem in der Zukunft, äh, nicht daran gehalten haben.”

Die Schweiz vor der Zerschlagung: Bern braucht ein Wunder

Tripolis/Bern, Montag, 12 Uhr:  Die Schweiz steht vor der schwersten – und vielleicht letzten – Krise der Staatsgeschichte. Die Alpenrepublik musste heute offiziell den Regierungsnotstand nach Artikel 17, Paragraph 5 der Bundesverfassung verkünden, weil seit nunmehr drei Tagen mehr als die Hälfte des Kabinetts inklusive der als ministerielle Stellvertreter fungierenden Staatssekretäre außer Landes weilt. Auf Einladung des Nestlé-Konzerns reisten bereits am Donnerstag sechs Regierungsvertreter nach Ecuador zur Besichtigung neuer Methoden im Kakao-Anbau. Weil der Tourismus-Minister außerdem zum Bergsteigen im Himalaya unterwegs und somit unerreichbar ist, waren somit bereits am Donnerstagabend nur 7 von 14 Regierungsvertretern innerhalb der Landesgrenzen, sollten jedoch am Samstag zurückkehren. Die Aschewolke machte jedoch einen Strich durch Rechnung. Ungeschickterweise brach zudem – wie erst heute bekannt wurde – ein achter Regierungsvertreter zu geheimen Verhandlungen nach Libyen auf, um die Differenzen mit Staatschef Muammar al-Gaddafi beizulegen. Ein Neffe Gaddafis promoviert zu allem eidgenössischen Unglück jedoch derzeit über schweizerisches Staatsrecht und machte den umtriebigen Diktator auf die historische Chance aufmerksam, die das Festhalten des Schweizers darbot. Auf Geheiß des Revolutionsführer inspizierte die Staatspolizei daraufhin das Gepäck des Gastes und wurde fündig: Weil er ein iPhone mit sich führte, muss der Staatssekretär nun bis zu drei Jahren Haft rechnen. Libyen hat nämlich erst kürzlich unter dem Namen ‘yPhone’ ein eigenes Smartphone entwickelt, das – so die Pläne – binnen drei Monaten den Weltmarkt erobern und so die Staatsfinanzen aufbessern soll. Der Besitz von Konkurrenzmodellen steht seitdem unter Strafe.

Vor 250000 enthusiastischen Anhängern verkündete der sympathische Diktator heute in Tripolis seien Coup, der die einst bei UNO eingereichten Pläne zur Zerschlagung der Schweiz nun Wirklichkeit werden lassen könnte. Denn in einem verstaubten Paragraphen des alten eidgenössischen Rechts aus dem Jahr 1517 – das mit der Ausrufung des Regierungsnotstands automatisch in Kraft tritt – ist für jeden Einwohner das Recht verbürgt, im Falle “einer himlischen Catastrofe” die Auflösung des Staats einzufordern. Nach Angaben der Schweizer Bundespressstelle hat Gaddafi Großcousin Mohamad Zürkli, der in der Nähe von Zürich ein Casino leitet und seit einem Jahr neben der libyschen auch die schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, bereits von diesem Recht Gebrauch gemacht und einen formellen Antrag auf die Auflösung der Schweiz eingereicht.

Das Prozedere sieht vor, dass eine zufällig ausgesuchte Gemeinde im Kanton Freiburg basisdemokratisch binnen 48 Stunden über den Antrag entscheiden muss. Die Wahl fiel dabei auf das nur 30 volljährige Einwohner zählende Dorf Christlswilbourg. Von diesen 30 Stimmberechtigten weilen zu allem Überfluss 14 Mitglieder der christlichen Gemeinde auf einer Wallfahrt in Jerusalem und werden – aufgrund der Aschewolke – nicht rechtzeitig zum Ablauf der Wahlfrist ihren Heimatort erreichen. Wie Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid ergab, könnte die Schweiz daher tatsächlich morgen zu dieser Uhrzeit Geschichte sein. Neun der verbliebenen 16 Wahlberechtigten antworteten auf die Frage nach ihrem mutmaßlichen Votum “Vive la France”, vier weitere “Viva Italia! Viva Berlusconi!”, zwei weitere Dorfbewohner wiesen sich als Verwandte Peer Steinbrücks aus und der letzte Wahlberechtigte, den die Meinungsforscher vor seiner Villa am Dorfrand abfingen, griff – offenbar verblüfft von den jüngsten Entwicklungen – sofort zum Mobiltelefon, rief zuerst seinen Fonds-Manager sowie direkt im Anschluss seinen Steuerberater an und fuhr ohne weitere Auskunft in seinem Mercedes-Benz mit Hannoveraner Kennzeichen davon.

Die europäischen Nachbarstaaten zeigten sich ob dieser neuen Entwicklungen ratlos. An ein Wunder von Bern glaubt hier niemand mehr. Der deutsche Taskforce-Beauftragte für europäische Angelegenheiten Günther Oettinger verkündete diesbezüglich in Brüssel: “We are all sitting under the same ash cloud and will try anything to help our Switzerland friends. And if things go bad, we will take good care of their territory.” Unbestätigten Gerüchten zufolge, sollen die mutmaßlichen Mehreinnahmen aus dem Schweizer Bankengeschäft für Deutschland bereits in die nächsten Steuerschätzung des Bundes eingerechnet werden. “Die Geschäftszahlen liegen uns ja in digitaler Form ohnehin vor”, so ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der nicht genannt werden wollte.

Von Kiwis und Schnitzeln

Wien, Montag, 13 Uhr: Unterdessen wird auch der österreichische Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten von der Aschewolke getrübt. Denn Amtsinhaber Heinz Fischer sieht gelegentlich nicht nur wie eine Kiwi aus, sondern verzehrt die Südfrüchte auch kiloweise. Doch nun sind den Billa-Supermärkten in der Josefstadt, in denen Heinz Fischers Gattin einzukaufen pflegt, die gesunden Früchte mangels Nachschub aus Neuseeland ausgegangen. “Nicht abzusehen” seien die Effekte auf die Gesundheit des stets robust wirkenden 71-Jährigen, wenn die Kiwi-Versorgung nicht gewährleistet sei, sagte ein Sprecher des Präsidenten. Mit Hilfe eines ärztlichen Attest, das die “quasi-symbiotische Beziehung” zwischen präsidialem Körper und Kiwi-Frucht bestätigen soll, drängt die SPÖ daher eine Verschiebung der Wahl – “bis die Vulkansituation und damit die Ernährungskrise” gelöst seien. NSDAP- FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz sieht dies naturgemäß vollkommen anders: “Wer schon seinen Vitaminhaushalt nicht dem eigenen Land anvertraut, sondern seinen Körper mit ungezügelter Massenzuwanderung fremdländischer Früchte überflutet, der sollte das Volk auch nicht führen. Ich vertraue im Gegenteil ganz den steirischen Erdäpfeln – den urösterreichischsten Erzeugnissen unserer Heimaterde.” Eine Umfrage des österreichischen Qualitätsjournals “heute” ergab, dass die Diskussion 83 Prozent aller Wienern “wurscht” ist. Ebenso viele bekundeten im Anschluss, nun Gusto auf Schnitzel zu haben. 62 Prozent beteuerten, nun noch nie einen Rosenkranz gebetet zu haben.

Verzweifelte Unternehmensberater, machtlose Regierungsvertreter, glückliche Sushi-Chefs: Ein Vulkan pulverisiert die öffentliche Ordnung in Europa. Eine Reportage über die Aschewolke aus Hamburg, Düsseldorf, Köln und Wiesbaden.

Hamburg, Sonntag, 2.30 Uhr in der Früh: Masaru Suzushima lächelt ein angestrengtes Lächeln, das so glücklich wirkt wie der das schlafende Gesicht eines vom Spielen ermüdeten Kindes. “Seit drei Tagen habe ich nicht geschlafen”, verrät der 41-Jährige Deutsche japanischer Herkunft, “aber vielleicht kann ich mir nachher eine halbe Stunde gönnen.” Dafür wird er sich gegen 4 Uhr früh in den ersten Stock des unauffälligen Gebäudes in der Nähe der Binnenalster zurückziehen.

Seit dreizehn Jahren schon bewohnt der Eventmanagement-Assistent das kleine Appartement in der Ferdinandstraße, wollte eigentlich schon längst umgezogen sein. Dass ihm ausgerechnet seine Wohnlage das Geschäft seines Lebens ermöglichen würde, damit hätte er nie gerechnet. Nicht bis zur Aschewolke. Als die am Donnerstag sich über Norddeutschland ausbreitete und für die Schließung des Hamburger Flughafens sorgte, stand Suzushima bereits in den Startlöchern. Ein befreundeter Meteorologe hatte ihm den Zug der Rauchwolke aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull prophezeit. Und der Sohn japanischer Einwanderer zog die richtigen Schlüsse: “Keine Flüge bedeuten für Hamburg mehr Hotelgäste, Businessgäste vor allem, die Freitags die Stadt wieder verlassen. Und wo essen die zumeist? Na klar: Im Sushi-Restaurant!”

Asche zu Asche

Also mietete der 41-Jährige kurzerhand die gerade frei gewordene, noch vollmöblierte Restaurantfläche im Erdgeschoss des Hauses, tauschte in Windeseile Stühle und Tische aus, engagierte einen Koch, drei Gehilfen und zwei Kellnerinnen und eröffnete am Samstag das “Haiiro no kumo” – zu deutsch: “Die graue Wolke”. Einheitliche Gläser, Teller oder eine Speisekarte gab es am ersten Tag zwar nicht, dafür aber eine Internetseite, einen Eintrag bei GoogleMaps und eine Telefonnummer. Zielsicher führten ihre Blackberrys die Kundschaft zur Eingangstür, an der nur ein Pappschild mit dem Namen und den Öffnungszeiten (18-3 Uhr) hängt. 350 Gäste bewirtete er am ersten Abend. Am Sonntag sollen es nochmals so viele werden.”Bereits nach dem ersten Tag habe ich alle getätigten Investitionen wieder eingenommen. Am Montag werde ich bei der Bank schon den Sofortkredit zurückzahlen können”, verrät der stolze Neu-Restaurantchef nach dem Kassensturz. Mit der Asche lässt sich auch Asche machen.

Bonusmeilen-Revolte

Düsseldorf, Freitag, 17 Uhr: Die Kundschaft, die in Hamburg für horrende Umsätze in Bewirtungsbetrieben sorgt, sitzt auch in Düsseldorf fest: “Wir sind nur noch zu 30 Prozent arbeitsfähig”, verrät ein leitender McKinsey-Manager, der anonym bleiben möchte. Jeder zweite deutsche Unternehmensberater, so der Insider, sei von der Sperrung des Luftraums betroffen und sitze nun irgendwo zwischen Glasgow und Zürich fest. Die Stimmung bei Branchenvertretern ist dementsprechend buchstäblich am Boden: “Ich muss doch am Wochenende in meine Wohnung nach München, um die verschimmelten Lebensmittel vom letzten Wochenende zu entsorgen”, klagt der PricewaterhouseCoopers-Angestellte Llyod Hanelsbüch, der überdies sein Hotelzimmer im Steigenberger Parkhotel an der Kö räumen musste. Mit einem Stern weniger, dafür aber in direkter Flughafennähe nächtigt er nun im Maritim-Hotel, das bis Sonntag restlos ausgebucht ist. Das Personal behandelt die Sorgen der Gäste mit gebührendem Ernst. Szenen wie in Köln, wo ein Hotelangesteller scherzhaft verkündete, dass Ryan-Air von Weeze aus noch eine Maschine nach London startete – woraufhin binnen 20 Minuten etwa zweihundert Taxis vor der Türe hielten – sollen hier nicht vorkommen: “Der rheinische Frohsinn muss vor einer solchen Katastrophe auch Demut zeigen”, mahnt Hotelmanager Dietrich Scheikelborn.

Doch die Stimmung bleibt explosiv: Als wegen Überlastung das hotelinterne W-LAN ausfiel, stürmten 150 aufgebrachte Businessgäste zuerst die Lobby und zogen dann weiter zum Lufthansa-Schalter am Düsseldorfer Airport. Die selbsternannte “Bonus, wem Bonus gebührt”-Bewegung wollte dort ihren Anspruch auf die Bonusmeilen geltend machen, den die nicht-vollzogenen Flüge der Airline sie gekostet haben. “Alleine meine drei Flüge am Wochenende nach Istanbul, von dort nach Köln und dann nach Kairo hätte mir Anspruch auf 7312 Meilen gebracht”, zeigt sich Fonds-Manager Bernd Saalbeick erzürnt, “damit wollte ich doch meinem Neffen eine Logen-Karte für die AllianzArena bezahlen.” Doch der werte Neffe muss sich gedulden: “Wir holen uns derzeit noch juristische Expertise für den Bonusmeilen-Anspruch ein”, teilte Lufthansa-Sprecher Günter Greiling am Freitag mit. Wütende Vielflieger verbrannten daraufhin demonstrativ ihre silbernen und goldenen Teilnehmerkarten vor dem Terminal A des Düsseldorfer Flughafen. Eine winzige schwarze Rauchsäule war so kurzzeitig das Symbol für das Elend einer ganzen Wirtschaftszunft. Für den Flugverkehr schädliche Partikel gelangten nach Auskunft der schnell herbeigeeilten Flughafenfeuerwehr nicht in die Luft, versicherte ein Sprecher.

Das Protest-Feuer blieb jedoch nicht der einzige Weg, auf dem die gestrandeten Passagiere ihren Frust abbauten. 378 Prozent mehr Unfälle mit Mietwagenbeteiligung verzeichnete beispielsweise die Autobahnpolizei in Nordrhein-Westfalen, in einem Streit um das letzte Erste Klasse-Ticket für den ICE nach Berlin soll es am Kölner Hauptbahnhof sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen mehreren Reisenden gekommen sein, in deren Verlauf zwei Laptops, drei Smartphones, vier Rollkoffer und eine Versace-Krawatte vollkommen zerstört worden sein sollen. Die Bundespolizei konnte den Tathergang noch nicht bestätigen, postierte aber sicherheitshalber Beamte vor der DB-Lounge und am Priority-Counter des Reisezentrums. Steht der Republik ein neuer Klassenkampf bevor? “Wenn die Situation mit der Aschewolke noch länger anhält”, so Peter Sloterdijk und Thilo Sarrazin in einem gemeinsamen Exklusiv-Interview im ‘Cicero’, “dann könnten sich auch in der gesellschaftlichen Sphäre Eruptionen ereignen, die von den steuerrechtlich Ausgebeuteten ausgehen.”

Vulke, vulkanieren, Vulkanier

Wiesbaden, Freitag, 14 Uhr: “Wir sind diesem Vulkanausbruch nicht gewachsen.” Was laut einer aktuellen Forsa-Blitzumfrage zwei Drittel aller Deutschen denken, spricht auch Volker Weichselsgern aus. Doch der promovierte Linguist hat dabei nicht die Verkehrsinfrastruktur im Sinn, sondern die Sprache. Er leitet daher die kurzfristig eingerichtete Kommission der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zur Entwicklung eines adäquaten Vokabulars bei der Berichterstattung über den Vulkanausbruch. “Wie einige Medien die Katastrophe sprachlich vermitteln, entspricht noch nicht einmal dem Niveau, das von Zehntklässlern in Erdkunde-Klausuren erwartet wird”, klagt der 53-Jährige. Schon der überhaupt schwerlich abzuschreibende Name des Vulkans stellt für den Sprachforscher ein Ärgernis dar: “Der Name ‘Eyjafjallajökull’ bedarf dringend einer Germanisierung”, fordert Weichselsgern und schlägt den auch boulevardtauglichen Begriff ‘Eyfa’ vor. “Die semantische Ressonanz mit der Protagonistin des Sündenfalls betont das biblische Ausnahme dieser Katastrophe”, so die Begründung. Auf der Liste von nahezu 120 Begriffen, welche die GfdS im Zuge des Vulkanausbruchs in die deutsche Sprache einbringen möchte steht unter anderem das Verb ‘vulkanieren’ für den Umstand des ‘Austritts von Asche aus einem Vulkan’ (“Dass ein Vulkan Asche ‘schleudert’, ‘stößt’ oder gar ‘spuckt’ ist einfach nur blanker Unsinn”), während das Nomen ‘Vulke’ den populären Begriff ‘Aschewolke’ ersetzen soll. Und auch für die von den Folgen der Eruption Betroffenen steht ein Eigenname parat: ‘Vulkanier’ sollen sie in Zukunft heißen. Mögen sie lang und in Frieden leben.

Kleine, halbstündige Einakter, der posturbane Charme der Tri-State-Area, die heterogenen Lebenslagen des milieuübergreifenden Prekariats (“guys from the neighborhood who haven’t left the neighborhood”, [New York Times]), gepaart mit der schön-verzweifelten Offenbarungs-Ästhetik von Facebook-Postings: Das ist “How to make it in America”, jüngstes Kind der HBO-Drama-Familie. Sofern man dies nach zwei Episoden behaupten darf : uneingeschränkt sehenswert!

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